3. KIMed Netzwerk Partner Forum: Ein Rückblick

News | 29.10.2026

Gemeinsam vertrauenswürdige KI-Lösungen für die Medizin schaffen

Wie lassen sich medizinische Daten sicher für Forschung und KI-Anwendungen nutzen? Und wie kommen innovative Lösungen aus dem Labor in die Versorgung? Rund 100 Akteur:innen aus Wissenschaft, Gesundheitsversorgung und Industrie kamen am 27. Oktober 2026 beim KIMed Netzwerk Partner Forum im Paulinum in Leipzig zusammen, um diese Fragen zu diskutieren, Lösungsansätze kennenzulernen und neue Kooperationen anzustoßen.

Zu Beginn der Veranstaltung setzten die Begrüßungsworte von Prof. Dr. Thomas Neumuth (Principal Investigator KIMed, Leipzig) und Dr. Randy Kurz (Stadt Leipzig) Schwerpunkt für den Tag. „Das Vertrauen entscheidet, ob Menschen KI als Unterstützung nutzen möchten. Das adressieren wir mit KIMed und mit diesem Netzwerk Partner Forum“, betonte Prof. Dr. Neumuth in seiner Begrüßungsrede.

Dr. Randy Kurz hob die Bedeutung des Austauschs über Sektorengrenzen hinweg hervor: „Entscheidend ist, für die Entwicklung neuer Technologien Wissenschaft, Industrie und Versorgung miteinander ins Gespräch zu bringen und aus seiner eigenen Blase herauszukommen.“ Im Mittelpunkt müsse der konkrete Mehrwert für Patient:innen stehen.

Sichere Datenräume als Grundlage für medizinische KI

Im ersten Teil standen gemäß dem Veranstaltungsmotto „Sichere Lösungen für die Versorgung von morgen“ Secure Processing Environments (SPE) und Trusted Research Environments (TRE) im Fokus. Diese geschützten Umgebungen ermöglichen die kontrollierte Verarbeitung medizinischer Daten und schaffen damit eine Grundlage für die Gesundheitsdatenforschung.

Prof. Dr. Toralf Kirsten (Universität Leipzig) stellte das Konzept einer SPE für die Medizin in Sachsen vor, das im Rahmen von KIMed derzeit erstellt wird. Mit der zunehmenden Bedeutung generativer KI wachse auch der Bedarf an umfangreichen Datenbeständen, um Modelle zu trainieren und ihre Leistungsfähigkeit zu untersuchen. Gleichzeitig müssten hohe Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und rechtliche Konformität erfüllt werden. Das vorgestellte Konzept setzt deshalb auf mehrere Schutzebenen.

Dr. Philipp Breitfeld (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, UKE) präsentierte das Datenhotel des UKE. Es ermöglicht einen kontrollierten Zugang zu den vielen klinischen Daten, die während der routinemäßigen Versorgung entstehen. Die Plattform soll künftig um eine Open-Source-basierte SPE für die standortübergreifende Nutzung erweitert werden.

Dr. Thomas Hiller (Berlin Institute of Health, Charité) präsentierte mit MediCoRE eine nationale, standortübergreifende SPE für die Gesundheitsdatenforschung. Bei der Entwicklung der Plattform werden die Perspektiven der Forschenden und Entwickler:innen von Anfang an zusammengebracht, um den größtmöglichen Mehrwert für die Forschung zu generieren.

Sascha Safenreider von der Gesellschaft für Wissenschaftliche Datenverarbeitungen mbH Göttingen (GWDG) stellte mit GöTRE eine bereits genutzte SPE vor, die unter anderem sicheres Data Sharing, Audit-Logging und technische Unterstützung für Forschungsprojekte ermöglicht.

In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es um die unterschiedlichen Entwicklungsstände der Lösungen, regulatorische Anforderungen, das Training von KI-Modellen und die standortübergreifende Datennutzung. Auch mögliche Einsatzszenarien für die Industrie und der Schulungsbedarf von potenziellen Nutzer:innen wurden diskutiert.

Erfolgreicher Transfer von der Forschung in die Praxis

Die Mittagspause bot Gelegenheit zum persönlichen Netzwerken und zur aktiven Beteiligung: An interaktiven Themenwänden erarbeiteten die Teilnehmenden einen Anforderungskatalog  für den Einsatz von KI  aus den Perspektiven von Forschung, Versorgung und Industrie. Das Ergebnis: alle drei Sektoren stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Um diesen zu begegnen, forderten die Teilnehmenden einheitliche Prozesse, bundesweit verfügbare Infrastrukturen und eine bessere Datenqualität. Seitens der Versorgung wurden unter anderem automatisierte Anamnesen und Risikoanalysen als mögliche nützliche Einsatzfelder von KI genannt. Als wichtige Voraussetzungen identifizierten die Teilnehmenden Datenschutz, klinische Evidenz, standardisierte Schnittstellen sowie politische Unterstützung bei Finanzierung und Beratung.

Anschließend gab Dr. Robert Waschipky (Universitätsklinikum Leipzig, UKL) Einblicke in den praktischen KI-Einsatz am Klinikum. Insbesondere Sprachmodelle spielen in der KI-Strategie“ des UKL eine wichtige Rolle: Er stellte unter anderem das klinikinterne UKLGPT, einen Informationsassistenten auf Basis von 30 Millionen Dokumenten aus klinischen Informationssystemen und ein an der Hautklinik pilotiertes Sprachmodell für eine effizientere Anamnese vor.

Dr. Anja Rösler (leap:up GmbH) zeigte, wie wissenschaftliche Innovationen ihren Weg in die Anwendung finden können. Denn: Technologietransfer beginnt nicht erst mit der fertigen Lösung. Entscheidend sind auch der medizinische Bedarf, Zulassungsfragen, Finanzierung und der Weg in die Versorgung. leap:up unterstützt diesen Prozess mit verschiedenen Transferwegen. Dazu gehört das Modell „Gründen ohne Gründer“, bei dem Innovationen umgesetzt werden können, ohne dass die Forschenden selbst ein Unternehmen gründen müssen. Die zentrale Botschaft: Gute Innovationen sollten nicht im Labor verbleiben.

Netzwerkpartner zeigen ihre Kompetenzen

Wie vielfältig die Ansätze für vertrauenswürdige KI und digitale Innovationen sind, wurde bei der Vorstellung der KIMed Netzwerkpartner deutlich.

Henriette Auerswald, Leiterin der Regionalentwicklung bei der Gesundheitsregion Südwestsachsen, stellte dessen Modellvorhaben vor, mit dem innovative Lösungen angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels stärker in die Versorgung überführt werden sollen. Dafür sucht das Netzwerk weitere Partner aus IT, Industrie und Forschung.

Die Prof. Dr. Toralf Kirsten zeigte als Vertreter der AMPEL-Plattform des Universitätsklinikums Leipzig, wie ein Open-Source-Projekt in die klinische Praxis gelangt: Das System ermöglicht ein Echtzeit-Monitoring von Informationen aus der Patientenakte. Für die Weiterentwicklung werden weitere Forschende, Entwickler:innen und Kliniken gesucht.

Dr. Christian Martin, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim KI-Kompetenzzentrum ScaDS.AI, präsentierte dessen KI-Forschung an den Standorten Leipzig und Dresden sowie Angebote für Schulungen und Open-Source-Ressourcen. Gesucht werden Partner mit komplexen Daten und anspruchsvollen Fragestellungen, darunter auch Unternehmen aus der Pharmaindustrie.

Katja Peters, Key Account Managerin bei Bechtle GmbH, stellte die IT-Kompetenzen und Ansätze zur Entwicklung sicherer KI-Lösungen des Unternehmens vor.

Jörg Nestler, CTO bei Inotec FE GmbH, gab Einblicke in die medizinischen Systeme und elektronischen Produkte für Medizintechnik, die von Inotec entwickelt werden.

Lars Eschenburg, Business Development MedTech beim MITCenter – Zentrum für medizinische Innovation und Technologie präsentierte die Angebote des Zentrums für den Transfer von Gesundheitsinnovationen in die klinische Versorgung. Dazu zählen die Identifikation von Bedarfen innerhalb und außerhalb der Klinik, die klinische Validierung am Universitätsklinikum Leipzig sowie Schulungen, Tutorials, eine Academy und der Zugang zu Expert:innen.

Gemeinsam vertrauenswürdige KI voranbringen

Das Netzwerk Partner Forum machte deutlich: Vertrauenswürdige KI in der Medizin braucht sichere Dateninfrastrukturen, klare Rahmenbedingungen und Lösungen, die sich an konkreten Bedarfen orientieren. Vor allem aber braucht es die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Versorgung und Industrie.

Die vorgestellten Projekte und Angebote zeigen, dass dafür im Netzwerk bereits vielfältige Kompetenzen und Ansätze vorhanden sind. Entscheidend wird sein, diese miteinander zu verknüpfen, konkrete Bedarfe aufzugreifen und tragfähige Wege in die Anwendung zu schaffen. Mit dem KIMed Netzwerk entsteht ein Rahmen, um diese Zusammenarbeit zu stärken und vertrauenswürdige KI-Lösungen für die medizinische Versorgung gemeinsam weiterzuentwickeln.

Das nächste KIMed Netzwerk Partner Forum findet am 10. Mai 2027 in Dresden statt.

Kofinanziert von der Europäischen Union
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes
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