2. KIMed Network Partner Forum in Dresden: KI-Anwendungen in die Versorgung bringen
News | 04.05.2026
Wie gelingt es, Künstliche Intelligenz nachhaltig in die medizinische Versorgung zu integrieren? Unter dieser Leitfrage fand am 30. April 2026 das 2. KIMed Network Partner Forum im Dülfersaal der Technischen Universität Dresden statt. Rund 85 Vertreter:innen aus Klinik, Gesundheitsforschung, IT, Digital Health-Unternehmen und Start-ups kamen hier zusammen, um sich zu aktuellen Entwicklungen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und konkrete Anwendungsfelder von KI in der Medizin zu diskutieren.
Grußworte hoben interdisziplinäre Vernetzung als essenziell hervor
Zum Auftakt betonten die Principal Investigators (PIs) der KIMed-Standorte Dresden und Leipzig die Rolle des Netzwerks als verbindende Plattform zwischen Disziplinen und Institutionen: "Es ist wichtig, über den Tellerrand zu blicken, um zu sehen, was wir gemeinsam schaffen können," sagte Prof. Dr. Martin Sedlmayr, Direktor des Zentrums für Medizinische Informatik (ZMI) an der Technischen Universität Dresden. Gleichzeitig unterstrich Dr. Eveline Prochaska, PI im KIMed-Netzwerk für den Standort Dresden: "Das Ziel von KIMed ist nicht nur der Austausch, sondern auch die Unterstützung der konkreten Implementierung von KI-Anwendungen in die Versorgung". Prof. Dr. Thomas Neumuth betonte die besondere Stellung des Projekts innerhalb Sachsens: KIMed sei das einzige sachsenweite KI-Netzwerkprojekt im medizinischen Bereich und lebe davon, dass sich unterschiedlichste Akteur:innen aktiv einbringen.
Fachbeiträge zeigten was mit KI alles möglich ist – und was nicht
Dass KI in der Medizin längst praktische Realität ist, zeigten die Fachvorträge des Forums. Ob diese Entwicklung bedeute, dass Ärzt:innen obsolet werden, wurde von allen drei Referenten klar beantwortet: KI könne dabei helfen, die Versorgung patientenzentrierter zu gestalten – und zwar als Ergänzung, nicht als Ersatz für Ärzt:innen. Prof Dr. med. Tjalf Ziemssen (Leiter des Multiple Sklerose Zentrums Dresden) nutzte dafür die Metapher eines Flugzeugs, in dem Patient:innen mithilfe von KI gemeinsam mit Ärzt:innen als Co-Pilot durch ihren Versorgungspfad navigieren könnten. Er zeigte eindrucksvoll, wie digitale Zwillinge – datenbasierte Versionen eines echten Patienten – das Management von Multipler Sklerose unterstützen. Dr. med. Jan-Niklas Eckardt, Leiter der Research Group “Artificial Intelligence in Hematology” am Else-Kroener-Fresenius Center for Digital Health Dresden, stellte einen Algorithmus vor, der Biomarker in der Hämatologie schnell und mit hoher Präzision identifiziert. Valentin Forch von der Technischen Universität Chemnitz beleuchtete Potenziale und Grenzen automatisierter Falldokumentation in der Psychotherapie.
„Weg vom Impact Factor, hin zum Impact“
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass weniger die Technologie selbst als vielmehr ihre erfolgreiche Implementierung die zentrale Herausforderung darstellt. KI-Lösungen müssten sich an realen Versorgungsprozessen messen lassen, interdisziplinär entwickelt werden und letztlich einen konkreten Nutzen für Patient:innen und medizinisches Personal entfalten. Pointiert formulierte es Dr. Jan-Niklas Eckardt mit dem Appell, Forschung müsse raus aus den Papern und rein in die Versorgung – „weg vom reinen Impact Factor, hin zum tatsächlichen Impact“.
Interdisziplinärer Austausch stand im Mittelpunkt der Veranstaltung
Neben den Vorträgen stand insbesondere die persönliche Vernetzung im Mittelpunkt der Veranstaltung. Im Austausch mit Vertreter:innen aus Forschung, Klinik, IT und Wirtschaft entstanden zahlreiche neue Kontakte und Gespräche über konkrete Anwendungen und Herausforderungen beim Transfer von KI in die medizinische Versorgung. Besonders intensiv war der Dialog mit regionalen Unternehmen, Start-ups sowie Partnerinstitutionen aus Dresden und Sachsen.
Auch die interaktiven Posterstationen zu Datenzugang, Datenverarbeitung und Wissensaustausch boten Raum für vertiefende Diskussionen mit den KIMed-Projektmitarbeitenden. Die positive Resonanz und der lebendige Austausch zeigten eindrücklich, wie essenziell interdisziplinäre Zusammenarbeit für den erfolgreichen Transfer von KI in die Versorgung ist.
Das KIMed-Team bedankt sich beim Dresdner Projektteam für die gelungene Veranstaltung und bei den Referierenden, Partner:innen und Teilnehmenden für die vielfältigen Impulse und das große Interesse am Netzwerk. Das nächste KIMed Network Partner Forum findet am 28.10.2026 in Leipzig statt.